Grasshoppers, Vitesse, Sion und wieder Vitesse. Dazwischen Regeneration und Abschluss-Trainings. So hat das Programm der Spieler des FC Basel in den letzten Tagen ausgesehen. Was für sie ein kleineres Problem darstellt, ist dafür ein umso grösseres für den neuen Trainer Marcel Koller. Ganze fünf «normale» Einheiten hatte er bislang zur Verfügung, in denen er dem Team seine Fussball-Philosophie vermitteln konnte.

Immer wieder betont er deshalb, dass ihm aufgrund des straffen Programms die Zeit mit dem Team auf dem Trainingsplatz fehle. Statt also in Ruhe – beispielsweise wie Vorgänger Raphael Wicky – in einer Vorbereitung seine Ideen zu erklären und die Mannschaft diese einstudieren zu lassen, muss Koller auf ein anderes Mittel zurückgreifen: «Wir vermitteln die Dinge den Spielern momentan nur per Video.»

Die Videoanalyse wird als Ergänzung sehr gerne verwendet – nicht aber als Vermittlungs-Basis eines Trainers. So sagt auch Koller, dass er die Spieler in den Trainings auf dem Platz verschieben können müsste, damit deutlich wird, wo er wen, zu welchem Zeitpunkt sehen möchte. Immerhin sagt er: «Wir haben gemerkt, dass die Spieler schon sehr viel via Video aufgenommen haben.»

Gefragt: Spielintelligenz

Diese Art von Vermittlung setzt eine hohe Spielintelligenz voraus. «Je mehr sie das haben, umso besser können sie das Geforderte entsprechend umsetzen. Das ist mir aufgefallen in den letzten Wochen.» Vier bis fünf Dinge, die besser werden müssen, habe man via Video bereits an die Mannschaft herangetragen.

«Das Eine oder Andere davon habe ich auch schon auf dem Platz gesehen», sagt Koller und meint damit unter anderem eine defensive Stabilität. Auch wenn diese für Aussenstehende in den bisherigen drei Spielen nicht unbedingt zu erkennen war, sieht Koller dort einen ersten Fortschritt. «Das gilt es jetzt noch zu verfestigen.»

  

Wie schwierig es ist, als Trainer seine Methoden und Vorstellungen einem neuen Team zu vermitteln, weiss Silvan Widmer. Der neue FCB-Rechtsverteidiger hat Erfahrung mit Trainerwechseln aus seiner Zeit in Italien. «Auch innerhalb der Saison», wie er sagt. «Wenn du immer zwei Spiele pro Woche hast, macht das die Sache für den Trainer nicht einfacher. Es gibt viele Videoanalysen und als Spieler musst du einfach immer hundertprozentig dabei sein und versuchen, alles aufzunehmen und es dann auf den Platz zu bringen.»

Hotel- statt heimisches Bett

Neben der Zeit auf dem Platz mit der Mannschaft fehlt Koller auch jene neben dem Platz, um beispielsweise Gespräche zu führen. Während diese in einem Trainingslager einfach zu bekommen ist, muss Koller dazu Mittel brauchen, die bei den Spielern auf nicht eben grosse Freude stossen. So zieht der neue Trainer seine Jungs nicht mehr nur vor einem Auswärtsspiel am Vorabend im Hotel zusammen, sondern auch vor jedem Heimspiel.

Etwas, was unter Raphael Wicky enorm abgenommen hatte, wollte er den Spielern doch genügend Freiraum lassen unter dem Aspekt, dass sie aufgrund der Dreifachbelastung schon oft genug in Hotels und damit abgeschottet von Familie und Freunden verweilen mussten. Um aus dem Minimum an Zeit aber das Maximum an Ertrag ziehen zu können, hat sich Koller zu diesem unbeliebten Schritt entschieden.

«Richtig einstimmen und kennen lernen»

«Wenn die Spieler zu Hause bei der Frau oder Freundin sind, kannst du nicht so gut mit ihnen sprechen. Wenn du sie aber im Hotelzimmer hast, kannst du mit ihnen individuell Videos schauen oder Gespräche führen oder sie auch mal in kleinen Gruppen zusammensetzen und ihnen Dinge erklären.» Auf diese Weise könne man sich «richtig einstimmen und kennen lernen. Das ist unsere Idee, zumindest am Anfang. So sind die Wege kurz und wir sind so eng wie möglich zusammen.»

Ausserdem muss man so die Analysen nicht auf den Spieltag selber verschieben, sondern kann diese bereits am Tag zuvor durchführen. «Das ist besser. Am Spieltag muss man sich voll konzentrieren können. Deshalb wollen wir das alles vorher abgehakt haben.» Immerhin dafür ist das straffe Programm gut, rechtfertigt es doch die Methoden von Koller. Und eliminiert der FCB heute Vitesse, dann stehen mindestens noch zwei weitere solche intensive Wochen mit wenig Training, vielen Videos und Zeit im Hotel an.