Vor diesem biederen B-Team Englands braucht die Schweiz definitiv keine Angst zu haben. Kaum ist nach 53 Minuten der Satz zu Ende gedacht, liegt sie auch schon zurück. Weil die Zuordnung nach einem Corner und der anschliessenden nächsten Flanke nicht stimmt. Und Marcus Rashford, den der eingewechselte Admir Mehmedi laufen lässt, nur noch einschieben muss.

Auf diesen Gegentreffer hat wenig hingedeutet, zumal es maximal zehn Minuten in diesem Testspiel gegen das Mutterland des Fussballs dauert, bis die Mannschaft von Vladimir Petkovic den Gegner im King Power Stadium im Griff hat. Und in den folgenden 35 Minuten bis zur Pause dominiert.

Es schaut zwar in dieser Phase nichts Zählbares heraus, doch mit 60 Prozent Ballbesitz ist sie über dem Soll. Das liegt gewiss auch daran, dass Englands Trainer Gareth Southgate im Vergleich zur Niederlage gegen Spanien vor drei Tagen auf neun Positionen rotiert.

Doch die Spielanlage ist klar, die Schweizer sind bis dahin gut, nur machen sie zu wenig. Ricardo Rodriguez hat ein paar gefällige Aktionen auf der Seite, mehrmals wird es gefährlich. Insbesondere Xherdan Shaqiri erhält in der Anfangsphase die Chance, die Führung zu erzielen, nachdem der kämpferische Mario Gavranovic den Ball erobert hat. Doch Shaqiri, wieder hinter der Spitze seine Kreise ziehend, trifft nur den Pfosten.

Schweiz ohne Chance auf den Ausgleich

Nach dem Gegentreffer sind die Schweizer in der letzten halben Stunde kaum existent, zu einer richtigen Ausgleichschance kommen sie nicht. Fast könnte man meinen, sie machten Dienst nach Vorschrift.

Weil auch der WM-Vierte England sein Programm in dieser letztlich wenig unterhaltenden Partie abspult und den Vorsprung problemlos über die Zeit bringt, bleibt es beim 0:1. Nach zuletzt zwei 0:2-Niederlagen ist die Schweiz auf der Insel damit weiter ohne Tor.

Trotz 0:1-Niederlage sind die Schweizer mit ihrer Leistung im Testspiel gegen England zufrieden. Nach dem Spiel antwortet Vladimir Petkovic auf die Frage, ob er überrascht gewesen sei, dass die Schweiz so oft im Ballbesitz gewesen war.

Und so bleibt der Test gegen England das, was er ist: ein Test. Die Aussagekraft ist überschaubar, erschreckend ist aber, dass die Schweiz, als das Wechselkontingent spätestens nach dem 0:1 auf beiden Seiten voll ausgeschöpft wird (es gibt zwölf Einwechslungen), erheblich abbaut. Zudem offensiv wenig zustande bringt. Und defensiv nicht mehr sattelfest wirkt.

Immerhin werden auf beiden Seiten Dinge ausprobiert. Southgate gewährt wie angekündigt seiner zweiten Garnitur Einsatzzeit, die bisweilen in der Premier League selten zum Einsatz kommt – vielleicht ist die Niederlage gerade deswegen so ärgerlich.

Eine neue Taktik

Auch Petkovic probiert Dinge aus. Für eine Überraschung sorgt er mit seiner Taktik, nicht mit den vier Mutationen in der Startformation gegenüber dem Island-Sieg: Weil er erstmals mit einer Dreierkette – bestehend aus den Innenverteidigern Fabian Schär, Johan Djourou und Manuel Akanji – beginnen lässt. Und in der Fünferkette davor auf den Seiten Rodriguez und Captain Stephan Lichtsteiner spielen.

Alles in allem ein mutiges Experiment, mit dem Kompaktheit im Zentrum und Überzahlsituationen angestrebt werden soll. Die Schweiz erschafft sich diese auch, nur nutzt sie die Räume zu wenig. Doch die Gefahr, ein Opfer bei schnellen Gegenstössen oder nach gut gespielten Diagonalbällen zu werden, gibt es an diesem Abend in Leicester nicht.

Am Ende lässt sich konstatieren, dass keiner der eingesetzten Spieler auf sich aufmerksam machen kann. Dafür weiss Petkovic nach dieser Partie, dass auf ihn weiter viel Arbeit wartet. Die Idee, mit der Dreierabwehr aufzulaufen, könnte indes eine spannende sein. Doch dieser Tatbeweis ist noch zu erbringen.

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