Gerade ist die Sonne über den Horizont gestiegen, als der Teambus des FCB um kurz nach 7 Uhr am Flughafen Basel-Mülhausen eintrifft. Es ist der frühe Start einer Reise in den Süden, auf die Ferieninsel Zypern, wo der FCB am Donnerstagabend um den Einzug in die Europa League spielt. Doch es steht weit mehr auf dem Spiel.

«Ich will nicht den maximalen Druck aufsetzen, aber es ist schon ein sehr, sehr wichtiges Spiel», sagt Captain Fabian Frei. Weil es um viel Geld gehe für den Verein, rund 10 Millionen Franken winken dem Klub. Ein stattlicher Anteil davon dürfte als Prämien für die Spieler ausgeschüttet werden. Kommt hinzu, dass das Kader der Basler nur mit Meisterschaft und Cup kaum bei Laune zu halten wäre.

Tückische Ausgangslage

Ein Kader, das in den wenigen verbleibenden Stunden, die das Transferfenster noch offen ist, noch Zuwachs bekommen könnte. Sportchef Marco Streller tritt die Reise nach Larnaka, wo die Mannschaft gegen Mittag landet, gar nicht erst an.

Das liegt nicht an seiner Flugangst, sondern daran, dass er für Marcel Koller noch einen gestandenen Offensivmann unter Vertrag nehmen soll. Der FCB-Trainer sagt: «Er ist voll am Arbeiten. Versprechen können wir aber noch nichts, da wir nicht wissen, ob es aufgeht.»

Marcel Koller ist voller Vorfreude auf einen neuen Offensivmann.

Es wäre dies der zweite Transfer, nachdem Marco Streller das Kader als ausreichend gut beunden hatte, um Meister YB vom Thron zu stossen. Koller sah dies offensichtlich anders, weshalb er sich zwei Verstärkungen bei der Vertragsunterzeichnung zusichern liess. Ein Weiterkommen des FC Basel wäre aber nicht nur aus Klubsicht von immenser Bedeutung, sondern auch für den Schweizer Fussball extrem wichtig.

Denn der Schweiz droht der Absturz in der Uefa-5-Jahreswertung. Kommende Saison entfallen die Punkte der Saison 2013/14, der erfolgreichsten internationalen Spielzeit der letzten fünf Jahre: Basel spielte in der Champions League, überwinterte europäisch und stiess dann bis in den Viertelfinal der Europa League vor, wo gegen Valencia Schluss war. Zudem spielten auch Thun und St. Gallen europäisch. Beide scheiterten jedoch in der Gruppenphase.

Wichtig, dass YB in Europa ist

Nun, am Dienstag haben die Young Boys den Einzug in die Königsklasse geschafft. «Es ist wichtig, dass sie dabei sind, wichtig für den Schweizer Fussball», sagt FCB-Trainer Marcel Koller.

Und Frei ergänzt: «Schön ist eine Schweizer Mannschaft in der Champions League. Wir versuchen jetzt, zum FCZ aufzuschliessen, damit wenigstens noch zwei Schweizer Teams in der Europa League vertreten sind. Dann wäre der Schweizer Fussball nicht schlecht aufgestellt.»

Und es müssten bloss noch Siege her, damit das Abrutschen der Schweiz (derzeit auf Platz 12) auf Platz 16 verhindert werden kann. Geschähe das, ginge der Schweiz nämlich ein Champions-League-Platz verloren und es könnten bloss noch vier Mannschaften (derzeit fünf) international antreten.

In Limassol mit dabei ist auch Neuzugang Carlos Zambrano.

Aus Sicht des Schweizer Fussballs ist ein Weiterkommen gegen Apollon Pflicht. Auch wenn die Ausgangslage nach dem 3:2 im Hinspiel tückisch ist. Marcel Koller sagt: «Eine Selbstverständlichkeit ist die Qualifikation für die Gruppenphase nie. Wir müssen es zuerst auf den Platz bringen.» Das hat schon das Hinspiel gezeigt. Der FCB gab eine Führung leichtfertig aus der Hand und musste trotz phasenweise drückender Überlegenheit ans Limit, um das Spiel noch zu drehen.

Sollte der FCB verlieren und ausscheiden, es könnte fatale Folgen haben. Für den Schweizer Fussball. Aber vor allem für die Basler. Letzte Saison riss die Titelserie, YB wurde erstmals seit 32 Jahren Meister. Nun liegen die Berner erneut klar vorne, spielen in der Königsklasse. Scheiterten die Basler in Zypern, es könnte eine Zeitenwende sein – der Anfang einer gelbschwarzen Ära.