Marco Streller, geben Sie Ihren Rücktritt?

Marco Streller: Aus welchem Grund? Wenn in die Tatsache, dass wir uns zu dieser Medienrunde zu später Stunde am Flughafen treffen, jemand etwas hineininterpretiert, dann kann ich nichts dafür. Ich werde sicher nicht meinen Rücktritt geben.

Wie ordnen Sie ein, dass der FCB an Apollon Limassol gescheitert ist?

Die Enttäuschung ist riesig. Es ist eines unserer Ziele, das wir verpasst haben. Man hat es auch unmittelbar nach Abpfiff den Spielern angesehen. Wir haben so etwas in den vergangenen Jahren nicht erlebt. Das ist sehr schwer zu akzeptieren. Jetzt heisst es, vorwärtszuschauen und zu analysieren, wieso wir uns nicht für Europa qualifiziert haben. In der Nati-Pause haben wir diese Zeit. Das Trainerteam hat nie mit den Spielern intensiv arbeiten können. Auch das ist in der Nati-Pause endlich möglich. Genauso wie der Austausch mit uns, der jetzt intensiviert wird.

Ein Diskussionspunkt wird sicher auch der Zeitpunkt des Trainerwechsels sein.

Sicher, über den Zeitpunkt der Trainerentlassung kann man diskutieren. Vielleicht wäre es konsequent gewesen, das Ende der vergangenen Saison zu machen. Das wäre besser gewesen, so hätte der neue Trainer eine Vorbereitung mit der Mannschaft absolvieren können. Aber wir müssen jetzt aus den Fehlern lernen und vorwärts schauen.

War der Entscheid denn richtig? Gegen Paok Thessaloniki ist man ja dennoch gescheitert.

Im Nachhinein kann man sich diese Frage stellen. Ich treffe, und das möchte ich noch einmal betonen, diese Entscheidungen nicht alleine, wir haben ein Gremium im Verein. Mann muss eingestehen, dass es ein Entscheid oder eine Massnahme war, die kurzfristig, international nicht aufgegangen ist.

Wie schwer wiegt das Verpassen des internationalen Geschäfts?

Wenn es einmal der Fall ist, kann man das als Ausrutscher abbuchen. Wenn man weiss, wie der FCB funktioniert, dann weiss man auch, dass wir uns immer über das internationale Geschäft definiert haben. Dieses Schaufenster fehlt uns jetzt. Aber es kann so vielleicht auch mal etwas wachsen. Wir müssen Kontinuität reinkriegen. In der Situation, so schlimm sie auch ist, muss man auch eine Chance sehen. Wir sagen aber auch immer wieder, dass wir uns an der eigenen Nase nehmen müssen, dass wir gewisse Ziele zu forsch gesteckt haben und den Umbruch zu schnell herbei führen wollten. Jetzt fangen wir bei Null an.

Heisst das, dass das Konzept gescheitert ist?

Nein, aber der sportliche Erfolg ist ausgeblieben, das ist ein Fakt. Dass der wieder kommen muss, wissen wir auch. Da müssen wir selbstkritisch sein. Wir haben uns alle den Kopf zwei, drei Mal hart angeschlagen. Wir haben es so lernen müssen. Es war mutig, nach dieser grossartigen Ära zu übernehmen. Es war klar, dass man nur hat verlieren können. Aber es ist so viel Herzblut da, dass man das nicht als normalen Job ansehen kann.

Wird also an allen Punkten des Konzeptes festgehalten?

Wir wollen nicht von diesem Weg abkommen. Das war auch mit dem Trainer abgesprochen. Wenn man die letzten zwei Startformationen ansieht, merkt man, dass er das mitträgt. Es braucht einfach ein Gerüst, um welches man die Jungen aufbauen kann. Aber das ist nicht einfach. Jeder ist mit sich selber beschäftigt. Man muss gewisse Dinge ertragen, den Helm anziehen und da gestärkt daraus heraus kommen. Das kennt man in Basel nicht, aber das muss man lernen. Wir Basler reklamieren immer für uns, dass wir speziell sind. Das müssen wir jetzt zeigen, indem wir auch in schweren Momenten zusammenhalten.

Bislang hat dieser Weg des Konzeptes aber nur nach unten geführt.

Ich sehe es nicht so radikal, dass wir alles vergeigt haben. Auch wenn ich keine Argumente dafür habe. Vielleicht muss man auch mal durch das Tal der Tränen. Wir wissen aber, dass es zwei, drei solcher Jahre nicht erträgt.

Muss man aufpassen, die Vorreiterrolle im Schweizer Fussball nicht zu verlieren?

Wir müssen auf uns schauen und versuchen, in dieser schwierigen Situation zusammen zu stehen, an einem Strang zu ziehen und in die Erfolgsspur zurückzukommen. Den Nimbus der Unbesiegbarkeit haben wir definitiv verloren. Jetzt gilt es, diesen zurückzuholen. Das braucht aber Zeit, und diese Zeit müssen wir uns geben und nehmen. Es ist eine Chance für alle, wieder Demut zu lernen. Wir waren sehr verwöhnt in den letzten Jahren. Jetzt aber müssen wir Demut vorleben.

Sind Sie denn demütiger geworden?

Ich habe mir eine dicke Haut zulegen müssen. Man darf nicht vergessen, dass man es hier mit Menschen zu tun hat. Es muss alles etwas bescheidener werden, ohne dass wir unsere Werte verkaufen. Das haben wir lernen müssen, nachdem wir Vizemeister geworden sind. Der Tenor ist vielleicht negativer geworden in der Stadt, die absolute Weltuntergangsstimmung herrscht aber nicht.

Werden die Saisonziele angepasst?

Das Kader war für die Champions League nicht gut genug. Für die Europa League wäre es das gewesen. Jetzt, wo diese verpasst wurde, ist das Kader gross und breit für Schweizer Verhältnisse. Der Meistertitel ist aktuell kein Thema. YB angreifen zu wollen, wäre vermessen. In einen Cupfinal aber können wir immer kommen. Aber dafür müssen wir zuerst Stabilität finden.

Spüren Sie das Vertrauen von Präsident Bernhard Burgener?

Natürlich spüre ich das Vertrauen von ihm und das ist schön.

Welche Rolle werden Sie in den nächsten Wochen einnehmen?

Wir müssen die Rollen miteinander absprechen, das ist so. Was Transfers angeht, sind mir die Hände gebunden. Ich werde aber viele Gespräche führen, mit Agenten beispielsweise.

Was erwarten Sie am Sonntag?

Die Mannschaft kann Thun nicht aus dem Stadion hauen. Aber sie ist im Stande, zu gewinnen.