Noch im Mai war die Enttäuschung bei Albian Ajeti riesig. Der 21-Jährige hatte sich solche Hoffnungen auf ein Nati-Aufgebot gemacht nach seiner guten Saison – und es dann nicht einmal in das 27-Mann-Kader geschafft, welches den ersten Teil der WM-Vorbereitung  absolvierte. Stattdessen nominierte Vladimir Petkovic mit Gregor Kobel einen vierten Torhüter und sorgte damit bei Ajeti für Unverständnis – auch wenn der Stürmer dieses nur unter vorgehaltener Hand und nie öffentlich kundgetan hat. 

Dreieinhalb Monate später sieht Ajetis Welt besser aus. Und das, obwohl es ihm mit seinem Verein noch schlechter läuft als letzte Saison. Das europäische Geschäft wurde vom FCB verpasst, YB ist an der Spitze schon früh enteilt. Auch deshalb sei sein erstmaliges Einrücken in die A-Nati «zur Abwechslung sicher nicht schlecht und eine gute Möglichkeit, um den Kopf zu lüften», wie er nach seiner Ankunft in Feusisberg in die Mikrofone sagt. «Wir hatten keine einfachen Tage in Basel. Da kann einem in solchen Momenten eine Nomination für die Nati noch mehr Schub verleihen als wenn im Verein alles super laufen würde.» 

Das Tagesgeschäft beim FCB ruht momentan, neben Ajeti sind noch sieben weitere Spieler von Basel aus zu ihren Auswahlen gereist. Allesamt werden sie erst nächste Wochen wieder zurück beim FCB sein. Es sei eine Pause, die allen helfe, sagt Ajeti. Und er ist sich sicher, dass danach «im Verein ein neues Kapitel beginnt.» 

Der sofortige Anruf nach Hause

Ein neues Kapitel, das beginnt auch für ihn selber. Am Freitag, nach der Rückkehr des FCB aus Limassol, hatte er erfahren, dass er erstmals zum definitiven Kreis der A-Nati gehört. «Dann habe ich gleich meine Eltern angerufen und es ihnen erzählt. Auch mit meinen Brüdern habe ich es sofort geteilt und natürlich mit den Mannschaft-Kollegen, waren wir doch eben in Basel gelandet zu diesem Zeitpunkt.» Die Neuigkeit habe ihm eine riesige Freude bereitet. «Bislang gab es viele Spekulationen. Jetzt wirklich hier sein zu dürfen, macht mich glücklich.»

Das Kapitel Ajeti ist auch ein neues Kapitel für die Nati. Nach turbulenten Wochen und Monaten sollen er und der zweite Neuling, Kevin Mbabu, frischen Wind bringen. Der eingeleitete Umbruch «kann mir entgegen kommen. Aber ich habe das alles nur aus den Medien mitbekommen und mir keine grossen Gedanken dazu gemacht», so Ajeti. 

Und natürlich entfacht seine Nomination auch einen neuen Konkurrenzkampf im Sturm, in dem seit langer Zeit keine klare Hierarchie herrscht. Ajeti kommt mit der Torjägerkanone der Super League der letzten Saison sowie bereits vier Toren in der laufenden Saison im Gepäck nach Feusisberg. «Ich probiere mich Herrn Petkovic so gut wie möglich anzubieten und jede Chance, die ich hier bekomme, zu nutzen.»

Erst einmal cool bleiben

Zu sehr aufs Gas drücken solle er aber nicht. Dies habe Petkovic ihm bereits mitgegeben. «Er meinte, dass er mich jetzt öfters sehen werde, dass er wisse, was ich könne und ich einfach spielen soll, wie ich das immer gemacht habe. Ich solle einfach cool bleiben.» Wer Ajeti kennt, weiss aber, dass er eher zu viel als zu wenig will.

Dennoch möchte er versuchen, die Anweisungen Petkovics umzusetzen und ist sich bewusst, dass nicht alles verloren wäre, sollte er gegen Island und England Nervosität oder ähnliches zeigen. «Der Trainer sieht mich ja nicht zum ersten Mal. Er hat schon viele Matches gesehen. Auch deshalb meinte er wohl, dass ich nicht alles raus hauen müsse, um ihn zu überzeugen.»

Ajeti wäre aber nicht Ajeti, wenn er nicht trotzdem vorhätte, sein Bestes zu geben. Was das ist? «Na Tore schiessen», sagt er, lacht und schiebt nach: «Ich will auch der Mannschaft helfen und mich in deren Dienst stellen.» Aufgenommen worden sei er von dieser schon sehr gut, «aber es sind ja auch nicht alles unbekannte Gesichter.»

Vor allem mit Xherdan Shaqiri verbindet ihn eine gute Freundschaft. Auch deshalb sagt er: «Mit ihm würde ich mir gern das Zimmer teilen.»