Nino Schurter, gibt es einen Moment, der bei Ihnen an diesem WM-Wochenende speziell haften geblieben ist?

Nino Schurter: Was mir sicher geblieben ist, sind diese Anfeuerungsrufe, dieses «Nino, Nino!». Die haben mich über die ganze Strecke verfolgt. Das habe ich so wirklich noch nie erlebt. Es fühlte sich so an , als ob alle Zuschauer nur wegen mir gekommen sind.

Als Zuschauer hatte man das Gefühl, dass Sie dieses Rennen gar nicht verlieren können. Wie war es für Sie?

Ich hatte mehr Zweifel als auch schon. Weil ich mich nicht wie gewünscht vom Staffelrennen erholen konnte, wo ich als letzter Fahrer wirklich ans Limit gehen musste. Die letzte Frische für explosive Attacken hat mir gefehlt. Deshalb musste ich während des Rennens auch meine Taktik etwas anpassen.

Wenn Sie Ihre Erfolgsbilanz an Weltmeisterschaften anschauen (sieben Titel, zweimal Zweiter) – können Sie das überhaupt einordnen, diese Konstanz über ein ganzes Jahrzehnt?

Von aussen wirkt das wahrscheinlich krasser als für mich selber. Ich habe in all den Jahren alles dafür getan und gegeben, so gut wie möglich zu sein. Das Resultat ist ja nur der letzte Schritt, die Umsetzung der ganzen Arbeit, die man vorher investiert hat.

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Auffällig an dieser unglaublichen Konstanz ist vor allem die Tatsache, dass Sie eigentlich noch nie in Ihrer Karriere eine längere Baisse hatten. Wie ist das möglich?

Es ist schon gewaltig, wie fast immer alles klappt am Tag X. Aber ich habe auch ein hervorragend eingespieltes Team im Hintergrund, welches dafür sorgt, dass ich perfekt vorbereitet in die Rennen gehen kann. Ich kann mich wirklich auf das Wesentliche konzentrieren, den Wettkampf.

Gab und gibt es Momente, in denen man Sie bremsen und davor schützen muss, dass Sie zu viel trainieren?

Ja, das gibt es immer wieder. Man bewegt sich auf einem schmalen Grat. Man strebt immer nach der optimalen Mischung. Manchmal findet man sie, manchmal nicht. Aber auch in diesem Bereich kann ich mich auf meinen Trainer verlassen, mit dem ich seit 16 Jahren zusammenarbeite. Der kennt mich in- und auswendig und weiss genau, was ich brauche und was nicht.

Können Sie sich daran erinnern, dass Sie jemals in Ihrer Karriere eine Wettkampf-Phase hatten, in welcher Sie nicht in Form waren?

Höchstens, wenn ich mal krank war. Das ist etwas vom Schwierigsten. Man möchte trainieren, merkt aber, dass es nicht geht. Das braucht extrem viel Nerven. Aber man muss zur Einsicht kommen, dass man dem Körper Zeit geben muss, sich zu erholen. Auch diese Erfahrung musste ich erst machen.

Auffällig ist, dass Sie innerhalb einer Woche nie mehr als ein Rennen fahren, wenn es nicht sein muss.

Im Vergleich zu anderen Athleten bestreite ich nur wenige Wettkämpfe. Ich habe recht schnell gemerkt, dass es nicht gut für mich ist, wenn ich zu viele Rennen fahre.