Es ist nicht so, dass Dominic Thiem nicht weiss, was ihn in den Viertelfinals der US Open erwartet: Es ist Rafael Nadal, 32, die spanische Nummer eins der Welt, 17-facher Grand-Slam-Sieger und Titelverteidiger. Zehnmal gab es das Duell bisher, «dreimal war es eine sehr nette Erfahrung, siebenmal war es furchtbar», resümierte Thiem trocken.

Zehnmal standen sich Nadal und der Österreicher, der gestern noch seinen 25. Geburtstag feierte, gegenüber; zuletzt im Final der French Open, den Sandkönig Nadal in drei Sätzen gewinnen konnte.

Es ist also nicht so, dass der Spanier nicht weiss, was ihn erwartet. Thiem ist der einzige Gegner, der ihn in den letzten beiden Jahren auf seinem besten Belag, Sand, fordern konnte – zweimal gewann er, zuletzt in diesem Jahr in den Viertelfinals von Madrid. Es sind Resultate wie dieses, die ihn zum Sandprinzen gemacht haben. Zu jenem Mann, dem man noch am ehesten zutraut, Nadals Dominanz auf der langsamen Unterlage zu durchbrechen.

Und doch fühlt es sich irgendwie fremd an, wenn sich die beiden in der Nacht auf Mittwoch im grössten Tennis-Stadion der Welt gegenüberstehen. Denn bisher fanden alle zehn Duelle auf Sand statt, keines auf einem Hartbelag, keines auf Rasen.

Thiem erstmals in den Viertelfinals

Es ist nicht der einzige Fakt, der das Spiel zu einer «neuen Erfahrung» macht, wie Thiem sagt. Nach dem überraschend deutlichen Dreisatzsieg gegen Vorjahres-Finalist Kevin Anderson steht Thiem bei den US Open nämlich erstmals in den Viertelfinals.

Auch deshalb hält er sich mit grossspurigen Kampfansagen zurück, als er sagt: «Ich brauche einen grossartigen Tag, um mit ihm mitzuhalten.» Die Zurückhaltung hat auch damit zu tun, dass Thiem schwierige Wochen hinter sich hat. Vor dem Turnier hatte er mit einer Erkältung zu kämpfen gehabt, sagte, sein Immunsystem sei «komplett im Eimer».

Sein erstmaliger Vorstoss in die Viertelfinals der US Open ist insofern bereits eine Überraschung. Gleichwohl ist Thiem sicher, nicht «komplett unter die Räder» zu kommen wie noch in Paris. «Das wird mir nicht mehr passieren.»

Nadal mit «ein paar körperlichen Problemen»

Noch viel weniger als Thiem derzeit ist Rafael Nadal ein Mann der forschen Töne, zumal er in den letzten beiden Runden fast acht Stunden auf dem Platz gestanden hatte und zugab, «ein paar körperliche Probleme» zu haben.

Auch er hat registriert, dass «Dominic extrem wenig Fehler» gemacht habe. Er müsse «sein bestes Tennis spielen». Das sind Sätze, wie man sie vom Meister des Understatements vor jedem Spiel hört. Und doch ist es diesmal anders, die Zurückhaltung nicht unberechtigt.

Dreimal hat Rafael Nadal die US Open gewonnen und im letzten Jahr nur gerade drei Sätze abgegeben. Dennoch bestehen Zweifel daran, wie stark der Spanier auf Hartbelag wirklich ist. Seit 2013 (!) ist er bei in New York nie mehr auf einen Spieler aus den Top 20 der Welt getroffen.

Seither verlor er einmal nach einer 2:0-Satzführung gegen Fabio Fognini, ein anderes Mal gegen Lucas Pouille, einmal fehlte er verletzt. Weil Nadal in diesem Jahr nur drei Partien verloren hat (eine davon gegen Thiem) ist er gleichwohl Favorit im Duell des fremden Königs mit dem fremden Prinzen.