Bruno Gisler erwischte einen schlechten Start: In den ersten zwei Gängen musste er das Sägemehl als Verlierer verlassen. Der zweifache Weissenstein-Sieger (2003 und 2013) bestritt sein letztes Schwingfest angeschlagen: Vor zwei Wochen riss er sich das Innenband an, wie er gegenüber dem Regionalsender Tele M1 emotional aufgewühlt erklärte.

Dem besten Nordwestschweizer Schwinger der letzten Jahre blieb der perfekte Abgang denn auch verwehrt. Nach dem sechsten Gang, den er mit dem Thurgauer Eidgenossen Beni Notz stellte, war klar: Er würde den 128. Kranz seiner Karriere verpassen.

Den Zuschauern wird der bald 35-jährige Landwirt fehlen. "Er war eine Bereicherung." – "Er war einer von uns." – "Bruno Gisler for ever. Du bist ein guter", lobten ihn seine Fans.

Höhepunkt und Fall im 2013

Gisler blieb während seiner Karriere von grösseren Verletzungen verschont. "Ich konnte konstant über zehn, zwölf Jahre Kränze sammeln", sagte er zu "Tele M1". Einer seiner grössten Siege feierte der Schwinger aus Rumisberg am Innerschweizerischen 2013 in Emmen. Im selben Jahr erlebte er auch seinen Tiefpunkt. Am Eidgenössischen in Burgdorf fiel eine Doping-Probe positiv aus. Den eidgenössischen Kranz musste er zurückgeben und wurde für kurze Zeit gesperrt. "Das war eine schwierige Zeit", sagt er rückblickend. Er sei aber auf den Schwingplatz zurückgekehrt, weil er ein reines Gewissen gehabt habe.

Sieg nach 20 Sekunden

Samuel Giger feierte derweil ein perfektes Comeback auf dem Weissenstein. Wegen der Lehrabschlussprüfung als Zimmermann und einer Schnittverletzung am linken Daumen nach einem Arbeitsunfall hatte Giger seit Ende Mai keinen Wettkampf mehr bestritten. Bei der Rückkehr ins Sägemehl zeigte sich der erst 20-jährige Thurgauer sogleich wieder von seiner unwiderstehlichen Seite. Er räumte alle Konkurrenten aus dem Weg, im Schlussgang den Appenzeller Michael Bless. Mit dem ersten Zug (Kurz) warf Giger seinen Nordostschweizer Teilverbandskollegen zu Boden, drückte erfolgreich nach und stand nach nur 20 Sekunden als Festsieger fest.

Mit dem zweiten Triumph an einem Bergfest nach der Schwägalp 2016 setzte Giger eine bemerkenswerte Serie fort. Der Zimmermann aus Ottoberg war vor seinem Start auf dem Weissenstein, dem vierten von sechs Bergkranzfesten der Saison, nur zu drei Wettkämpfen angetreten. Schon am Thurgauer, am Zürcher und am St. Galler Kantonalen hatte das Supertalent jeweils obenaus geschwungen.

Ein paar Mitfavoriten reisten wie Gisler ohne Kranz heim – unter ihnen der Thurgauer Domenic Schneider, der Freiburger Benjamin Gapany, jüngst überzeugender Sieger des Freiburger Kantonalfests in Riaz, und der nominell stärkste Nordwestschweizer Nick Alpiger.