Herr Feunteun, am eDays-Symposium der ETH Zürich, dem Rahmenprogramm zum Formel-E-Rennen in Zürich, zeigten Sie einen Spot von einem Elektroauto, das einem Porsche locker davonflitzt. Was wollten Sie damit sagen?

Eric Feunteun: Dass es um die Freude am Fahren geht. Fragen wir Kunden, was ihnen an ihren Elektroautos gefällt, dann sprechen sie nicht von der Umwelt oder der Technologie. Sie sprechen von Freude, Bequemlichkeit, Beschleunigung.

Warum ist das für die Industrie wichtig?

Weil sich der Kunde nur für ein Elektroauto entscheidet, wenn es mehr Freude bereitet als ein Auto mit Verbrennungsmotor. Und das ist der Fall. Es wird noch besser, wenn Automodelle ganz auf Elektromotoren zugeschnitten sind. Elektromotoren brauchen weniger Raum, also bleibt dem Fahrer mehr. Ist das Autos selbstfahrend, kann man diesen Raum auch geniessen.

Menschen mögen neue Technologien auch darum, weil man damit angeben kann. Elektroautos erkennt man als solche jedoch nicht.

Das kann ein Hindernis sein. Weniger für unseren Kleinwagen Zoe, der als Elektroauto sehr bekannt ist. Aber wir haben auch den Kangoo, einen Elektrovan, der gleich aussieht wie die Benzinvariante. Da haben wir nun einen grossen Badge drauf, wirklich gross: «100 Prozent elektrisch». Das wollten die Kunden so. Sie möchten zeigen, dass sie modern sind, anderen voraus.

Elektroautos sind technologisch schon lange möglich, setzten sich aber nicht durch. Warum soll es nun gelingen?

Der allererste Renault war elektrisch. Heute sind Elektroautos eine Antwort auf grosse Probleme: Luftqualität, Erderwärmung, Abhängigkeit von Öl. Es sind drei Trends oder Bereiche, die sich weiterentwickelt haben und gegenseitig ergänzen: Selbstfahrende Autos können nur elektrisch betrieben werden; erneuerbare Energien benötigen Speicherplatz, weil sie unregelmässig anfallen. Preislich werden Elektroautos bald so günstig sein wie Benzinautos.

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Wann genau?

Mit Subventionen sind wir heute schon da. In Frankreich kann man den Zoe für monatlich 99 Euro haben. Ohne Subventionen ist es zwischen 2020 und 2025 so weit. Kleinere Modelle werden eher 2020 an dem Punkt sein, weil ihre Batterien kleiner und günstiger sind. Grössere Modelle werden bis 2025 brauchen.

Was heisst das für Benzinautos?

Für kleinere Modelle wie einen Twingo oder einen Smart wird es so sein, dass die Automobilhersteller ihre Modelle auf Elektroantrieb umstellen werden. Elektroautos werden günstiger sein; die Reichweite genügt, wenn man nicht mit dem Auto in die Ferien will.

Sie sprachen von den Kosten, die über die gesamte Lebensdauer anfallen. Die Kunden achten jedoch mehr auf das Preisschild beim Kauf. Da sind Elektroautos im Nachteil.

Das ist so. Beim Kauf eines Elektroautos muss der Kunde mehr auslegen als für ein Benzinauto, weil die Batterie vergleichsweise viel kostet. Die Ersparnis kommt erst später, weil die Kosten für den Betrieb fast vernachlässigbar tief sind. Wir lösen das bei Renault mit der Möglichkeit, die Batterie zu leasen. Dadurch sinkt der Kaufpreis, dafür muss der Kunde eine monatliche Gebühr zahlen. Die Gebühr ersetzt quasi die monatlichen Ausgaben für das Benzin.

Erfolgreiche Technologien verbreiten sich erst langsam, dann rasend schnell. Sehen Sie das auch für Elektroautos?

Ich gehe davon aus, dass sich die Verbreitung von Elektroautos um 2020 herum stark beschleunigen wird. Dann werden die Automobilhersteller weltweit fünf- bis zehnmal mehr Elektroauto-Modelle anbieten. Die Regulierung für CO2-Emissionen wird sich verschärfen: Alle Hersteller werden gezwungen sein, Elektroautos zu forcieren. 2025 wird voraussichtliche eine neue Generation von Batterien kommen.

China hat die Photovoltaik enorm angeschoben. Wie wichtig ist das Land für Elektroautos?

China ist bei weitem der wichtigste Markt für Elektroautos, fast ein Drittel des globalen Totals. Bei den Batterien hat Europa die erste Schlacht gegen China verloren. Wir müssen uns nun zusammentun, um eine eigene, robuste Batterien-Industrie zu schaffen. Heute gibt es keinen einzigen europäischen Hersteller.

Kann Europa etwas von China lernen?

Wir könnten von ihrer Regulierung etwas kopieren. China ist hier das fortschrittlichste Land, das ich kenne. In Europa reden wir viel über Elektroautos. China ist schon weiter. Die Regierung puscht die Automobilhersteller bereits heute, die Effizienz der Elektroautos zu verbessern. In Europa machen wir das nur für Benzin- und Dieselautos.

Hand aufs Herz, ist Renault wirklich bereit, Benzin- und Dieselautos durch Elektroautos zu ersetzen?

Die Renault-Nissan-Mitsubishi-Allianz hat eine klare Elektrifizierungsstrategie, die wir als Pioniere in diesem Feld seit fast 10 Jahren weiter ausbauen und umsetzen. Wir haben einen grossen zeitlichen Vorsprung, denn es erfordert Anpassungen des Unternehmens in vielen Bereichen. Aber ich will ehrlich sein, es bleibt ein Kampf, jeden Tag im Unternehmen, das gebe ich gerne zu.

Ein Beispiel?

Ein Ingenieur von uns versucht seit vierzig Jahren, den Lärm von Benzinautos zu senken. Nun bitten wir den gleichen Ingenieur, doch bitte absichtlich einen Lärm zu kreieren, damit die Fussgänger das Elektroauto auch hören können. Das ist nicht immer einfach.