Sie könnte die grossen Anzeigetafeln in den Bahnhöfen obsolet machen: Augmented Reality (AR) – die erweiterte Realität. Mithilfe der Technologie erscheinen auf den Handybildschirmen zusätzliche Informationen in Echtzeit zur unmittelbaren Umgebung, in der sie sich gerade befinden. Für einen AR-Hype sorgte vor zwei Jahren das Augmented-Reality-Spiel Pokémon Go. Die SBB wollen sich diese Technologie nun zunutze machen und spannen mit dem US-Konzern Google zusammen, wie einem Blogbeitrag der SBB zu entnehmen ist. Darin heisst es: «Künftig kann der Fahrgast sein Smartphone an den Gleisanzeiger halten und es erscheinen virtuell in Echtzeit Infos zu Verspätungen oder Bauarbeiten auf der Strecke sowie zu Verkehrsanschlüssen mit Abfahrts- und Ankunftszeiten.»

An den Ein- und Ausgängen der Bahnhöfe erscheinen auf dem Handy zudem Wegbeschreibungen sowie die Abfahrtszeiten der naheliegenden Trams und Busse. Auch Vorschläge für Geschäfte und Restaurants wollen die SBB integrieren. «Bei gewissen Gebäuden oder Orten im Bahnhofumfeld können zudem Infos zu Sehenswürdigkeiten oder aktuellen Ausstellungen von Museen eingeblendet werden», schreiben die SBB auf ihrem Blog.

Vorgestellt werden soll eine erste Demo der Augmented-Reality-App am «Digitaltag» am 25. Oktober, wie SBB-Sprecher Daniele Pallecchi auf Anfrage bestätigt. Zu Beginn werde die AR-App noch eine eigenständige App sein. Sollte sich der Pilotversuch aber als erfolgreich erweisen, könnte geprüft werden, die Funktion in die bestehende MeinBahnhof-App der SBB zu integrieren.

Offene Fragen zur Technologie

Die AR-App baue auf Google-Technologie auf, die Weiterentwicklung erfolge durch die SBB, sagt Pallecchi. Eine Ausschreibung für das Projekt habe es nicht gegeben. Zu den Kosten und technischen Fragen geben sich die SBB bedeckt. Man werde «zu gegebener Zeit» informieren, zum Beispiel zur Frage, ob die App nur mit dem Google-Betriebssystem Android funktioniert und welche Datenschutzaspekte bei der Ortungsfunktion eine Rolle spielen. Pallecchi sagt nur: «Die SBB nehmen den Datenschutz ernst und halten sich an die rechtlichen Vorgaben. Es werden nur Daten erhoben, die für den Betrieb einer Applikation nötig sind.»

Die erste Zusammenarbeit im Bereich Augmented Reality präsentierten die SBB am ersten Digitaltag vergangenen November. Dabei erhielten Kunden von der AR-App Orientierungshilfe beim Gang durch den Hauptbahnhof und sie konnten verschiedene Animationen auf dem Bildschirm testen. Diese waren allerdings spielerischer Natur aus dem Bereich der Märchen- und Tierwelt. Die AR-Tests sind Teil des SBB-Projekts «My Smart Station Zürich HB». Bis 2019 soll der HB zum digitalsten Bahnhof der Welt werden.

Nebst der Augmented Reality prüfen die SBB den Einsatz weiterer neuartiger Technologien wie des «Internet of Things». Damit ist die digitale Vernetzung einzelner Gebäudestrukturen oder Geräte gemeint. Auf einem SBB-Blog heisst es, dass zum Beispiel eine Kaffeemaschine eines Bahnhofgeschäfts automatisch Kaffeepulver-Nachschub bestellen kann bei einem anderen Shop in der Nähe, sobald die Maschine merkt, dass die Bohnen ausgehen. Dass solche Beispiele funktionieren können, zeige der US-Onlineriese Amazon mit seinem «Dash-Button». Dabei handelt es sich um ein mit WLAN verbundenes Gerät, mit dem der Kunde sein Lieblingsprodukt nachbestellen kann, wobei in diesem Fall noch immer ein manueller Knopfdruck nötig ist.

Bereits im Einsatz ist die «Internet of Things»-Technologie im Zürcher HB für die Raumklimamessung und deren Kontrolle im Reisezentrum. Sprich: Die Temperaturen werden automatisch auf ein angenehmes Klima angemasst.